Bindungsspiele für Mama-Papa-Kind für mehr Nähe und Kooperation

Aktualisiert: 12. Mai

Bindung ist für eine gute Entwicklung deines Kindes eine wichtige Voraussetzung, ebenso für Nähe und Kooperation.

Wie du diese verlässlich aufbauen und erhalten kannst, kannst du hier nachlesen.


In erster Linie entsteht Bindung durch:

  • Körperkontakt!: stillen, kuscheln, Haut auf Haut, Elternbett uvm.

  • Wahrnehmung: wahrnehmen und Erstnehmen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse und die des Kindes.

Manchmal tun wir uns dennoch schwer, in VER-Bindung mit unseren Kindern zu gehen, das mag daran liegen, dass wir selbst unsicher gebunden sind und uns die Erfahrung fehlt, sicher zu binden.


Dabei können neben oben genannten Faktoren auch Bindungsspiele helfen. Doch warum können Bindungsspiele so enorm hilfreich sein können, damit unser Kind kooperiert, erklärt sich, wenn wir verstehen, was in unserem Kind vorgeht.

Liebevoll begleitetes Weinen und Wüten ist eine Kraftquelle für kleine Kinder. Deshalb ist es wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und sie besten falls sogar zu fördern.

Stressabbau geschieht nicht nur durch begleitetes Weinen und Wüten sondern auch durch herzhaftes Lachen.


WAS SIND BINDUNGSSPIELE UND WOZU DIENEN SIE?

Unsere Kinder wollen kooperieren. Das ist so in ihnen angelegt. Kein Kind hat das Bedürfnis ständig im Kampf mit den Eltern zu sein. Wenn es besonders schwierig oder aussichtslos anmutete, kann eine professionelle Beratung unterstützen.


Bindungsspiele...

  • können die Kooperation positiv beeinflussen, ohne dass die Ursache der Problematik geklärt sein muss.

  • sind interaktive Spiele und können die Beziehung zum Kind nachhaltig festigen.

  • fördern Spaß und das Lachen des Kindes und auch du wirst Freude daran haben und vielleicht eine Verbindung zu deinem inneren Kind aufbauen können.

  • können jederzeit und an jedem Ort durchgeführt werden. Für die meisten Spiele brauchst du kein Zubehör, nur dein Kind und dich. Sowie Kreativität und die Fähigkeit zu staunen, wie sich dein Kind dir gegenüber öffnen wird.


Hier findest du einige Spiele, die die Kooperationsbereitschaft deines Kindes aufbauen und erhalten, sowie die Nähe zwischen euch stärken.


VORAUSSETZUNGEN FÜR BINDUNGSSPIELE
  • Zeit(!): 30 Minuten pro Tag und Kind sind perfekt, aber hier steht Qualität vor Quantität- eine Minute ist besser als gar keine...

  • du schenkst deinem Kind ungeteilte Aufmerksamkeit: Handy aus, keine Unterbrechungen; Nur dein Kind und du!


REGELN FÜR BINDUNGSSPIELE
  • dein Kind bestimmt was gemacht wird

  • dein Kind bestimmt wie es gemacht wird

  • du urteilst oder bewertest nicht

  • du lenkst das Spiel nicht in eine bestimmte Richtung



Bindungsspiele im Baby- und Kleinkindalter

  • Kniereiter-Spiele: z.B. Hoppe-hoppe-Reiter, Kleines Pony, Schotterwagen o.ä.

  • Guck-Guck-Da-Da

  • Fingerspiele und Reime: z.B. Das ist der Daumen, Himpelchen und Pimpelchen, Mäusefamilie, o.ä.

  • Mitmachlieder: z.B. Aramsamsam, 10 Kleine Zappelmänner, Ringe-ringe-Reihe, o.ä.

  • Spiele zur Körperwahrnehmung: z.b. Kleine Schnecke, Massageball, Babymassage, in den Bauch prusten, mit den Zehen spielen o.ä.

  • Lautsprache des Kindes nachahmen, Grimassen schneiden o.ö.

Das Kind entwickelt von Beginn an Selbstbewusstsein, Vertrauen, das Gefühl der Sicherheit und des wechselseitigen Gebens und Nehmens, Humor und Lebensfreude. Auf diese Art lernen die Babys und Kleinkinder mit uns zu kommunizieren und eine Beziehung zu uns aufzubauen.


Körperkontakt

Nicht jedes Kind kommt gerne kuscheln, aber Körperkontakt ist prima, um die Bindung zu stärken zwischen Kind und Eltern. Beispiele dafür sind Kreisspiele, Schubkarrenspiel, Raufen oder Huckepack.


Trennungsspiele

Trennungsspiele sind Spiele, bei denen eine kurze visuelle oder räumliche Distanz zum Kind geschaffen wird. Sie helfen Kindern, spielerisch mit den alltäglichen Trennungssituationen umzugehen. Aber sie sind auch besonders heilsam, wenn das Kind aufgrund zu früher Trennung (z.B. nach der Geburt) ein Trennungstrauma erlitten hat. Hier einige Beispiele:

  • Verstecken: ist definitiv ein therapeutisches Spiel zur Heilung eines Traumas

  • Fangen: ist eine abgewandelte Form des Trennungsspieles. Gut auch in Kombination mit Verstecken – wenn du dein Kind findest bestärke es darin, wegzurennen. Natürlich bist du die lahme Ente.


Kooperative Spiele und Aktivitäten

Der Unterschied zwischen kooperativen und kompetitiven Spielen ist, dass bei kooperativen Spielen kein Wettbewerb ausgetragen wird. Alle Spieler streben hierbei ein gemeinsames Ziel an und es gibt keine Verlierer. Viele Spiele können in kooperative Spiele umgewandelt werden, z.B. die Reise nach Jerusalem. Du kannst mit Deinem Kleinkind einen Turm bauen, indem ihr abwechselnd einen Stein oben aufsetzt.


Nonsensspiele

Nonsensspiele sind Spiele, bei denen du als Erwachsener absichtlich Dinge falsch machst. Auch lustige Übertreibungen in bestimmten Situationen zählen zu den Nonsensspielen.

Das Ziel ist, dass sich dein Kind totlacht und sich so von angesammeltem Stress befreit. Gleichzeitig wird die Bindung zwischen euch gestärkt. Hier einige Beispiele:

  • Puzzleteil an der falschen Stelle einfügen und sich total wundern, warum das nicht passt

  • Klamotten an falschen Körperstellen anziehen -> Hose auf den Kopf o.ä.

  • Kinderlieder falsch mitsingen

Machtumkehrspiele

Bei Machtumkehrspielen geht es darum, vorzugeben, besonders schwach, ängstlich, ungeschickt, begriffsstutzig und, ja, auch wütend zu sein.

Du darfst hier dein volles schauspielerisches Talent präsentieren. Je überzeugender du deine Rolle spielst, desto wahrscheinlicher ist es, dass dein Kind lacht, und sich so von angesammeltem Stress entlastet.

Diese Art von Spiel bietet Kindern die Gelegenheit, sich von Frustration und dem Gefühl der Machtlosigkeit durch das Lachen zu befreien. Nach solchen Spielen sind sie oftmals eher bereit, sich an die Regeln zu halten und die unabdingbaren Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Hier einige Beispiele:

  • Kissenschlacht, bei der du vorgibst, besonders schwach zu sein

  • Dein Kind erschreckt dich mit einer echt aussehenden Plastikschlange oder Spinne o.ä. du kannst davonrennen und entsprechende Laute des Grauens und der Angst von dir geben.

  • du ärgerst dich, dass dein Kind z.B. deinen Turm immer wieder umwirft


Regressionsspiele

Regressionsspiele schließen Aktivitäten ein, die normalerweise einem jüngeren Kind zugeordnet werden würden, beispielsweise, wenn das Vorschulkind plötzlich Baby spielt. Oft passiert das nach der Geburt eines jüngeren Geschwisterkindes.

Wichtig ist, dass du das Verhalten ernst nimmst und nicht ins lächerliche ziehst. Gehe darauf ein, umsorge und versorge dein großes Kind wie ein Baby. Nimm es auf den Arm, mache Babyspiele mit ihm.

Interessant ist, dass Kinder oft erst dann beginnen, sich wie ein Baby aufzuführen, wenn sie bestimmte Meilensteine der Entwicklung gemeistert haben.


Nicht-direktive, kindzentrierte Spiele

Für diese Art von Spielen brauchst du Materialien, die die Fantasie Deines Kindes anregen, beispielsweise Bauklötze, Puppen, Puppenhaus, Hand- oder Fingerpuppen, Ton, Anziehsachen zum Verkleiden, Material zum Malen und Basteln, kleine Spielfiguren, Stofftiere und Spielautos.

Dann lass ein Kind entscheiden, was es damit anfangen möchte. Meist kommt schon schnell ein Thema ins Spiel, das dein Kind momentan beschäftigt. Im Spiel kann verarbeitet werden, was belastet.

Spiele nur mit, wenn dein Kind ich dazu einlädt. Ansonsten sei präsent und anwesend, auch aufmerksam, aber beobachte nur.

Diese Spiele helfen Kindern, sich wahrgenommen, sicher und geliebt zu fühlen. Besonders nutzbringend zur Wiederherstellung der Bindung in Stress- oder Trennungssituationen, bei der Aufarbeitung traumatischer Ereignisse oder generell zur Stärkung der Bindung.

Symbolspiele

Bei den Symbolspielen lässt du deinem Kind nicht die freie Wahl, womit es gerade spielen möchte. Du stellst problembezogene Requisiten oder Themen, von denen du weißt, dass dein Kind sie verarbeiten muss.

Beispiel: Dein Kind hat einen Krankenhausaufenthalt hinter sich (Patient = Ohnmacht) und du steuerst einen Arztkoffer zu eurem Spiel bei, so dass dein Kind die Rolle des Arztes (Macht!) einnehmen kann, und Untersuchungen an dir durchführt, sowie Spritzen setzt, den Blutdruck misst oder die Temperatur im Ohr. Auf diese Weise verarbeitet dein Kind den durch den Krankenhausaufenthalt entstandenen Stress bzw. das eventuell dadurch entstandene Trauma. Oft initiieren Kinder von sich aus Bindungsspiele. Sie wissen instinktiv, was sie brauchen.

Kontingenzspiele

Bei Kontingenzspielen wiederholt sich zuverlässig die gleiche Handlung.

Beispiel: Dein Kind sitzt huckepack auf deinem Rücken und weist dir den Weg, den du gehen sollst, indem es dir rechts oder links auf die Schulter tippt.

Auch Imitationsspiele gehören zu den Kontingenzspielen.

Das Besondere an diesem Bindungsspiel ist, dass durch die Vorhersehbarkeit ein Gefühl der Sicherheit erreicht wird. Zudem genießen die Kinder diese Macht, indem sie bestimmen, wo es langgeht. Gerade das ist ein wichtiger Aspekt, da sich Kinder sehr häufig in Ohnmachtssituationen befinden, in denen sie zu tun und zu lassen haben, was andere, meist Erwachsene, von ihnen erwarten.



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